testcard #25: Kritik Inhaltsverzeichnis

Broschur, mit zahlr. Abb.
336 Seiten
August 2017
16,00 €(D)
ISBN 978-3-931555-24-5

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testcard #25: Kritik
Roger Behrens / Jonas Engelmann / Frank Apunkt Schneider / Anna Seidel / Jana Sotzko / Holger Adam / Johannes Ullmaier (Hg.)

Die neue Nummer!

Kritik – wozu eigentlich (noch)? Sind doch eh alle kritisch. Alle sind kreativ. Die Vorstellungen von Subversion, Dissidenz und symbolischem Widerstand wurden wie alle kulturellen Strategien der Kritik nivelliert, liquidiert, optimiert, funktionalisiert, integriert, kommuniziert, auf Displaynorm gebracht. Pop ist die allgegenwärtige Matrix allgegenwärtiger kritischer Kritik. Kritik ist Reklame. Pop ist Reklame. Und Reklame ist Reklame.

Kritik scheint sich um 1984 verabschiedet zu haben, seither herrscht Gelaber, »die Postmoderne«, »Marketing«. Ist ja eh schon alles Pop! Zu diesem Eindrucksgemisch, dessen Bestandteile jeweils eine gewisse Stichhaltigkeit beanspruchen können, muss sich die testcard irgendwie verhalten. Sie muss Probebohrungen an ausgewählten Orten der Kritik vornehmen. Wie und wo wäre Kritik, die ihren Namen (wieder) verdient, (neu) zu erfinden? Was ist kritisch, was nicht? Ist Pop kritisch? Muss Pop kritisiert werden, und was heißt es eigentlich, ihn zu kritisieren? Wie verändert sich Pop in der Kritik? Wie verändert Pop die Kritik? Was heißt Selbstkritik? Wen oder was kritisiert Kritik eigentlich? Und wann, wie und warum haben wir eigentlich aufgehört, uns zu wehren? Bauchantwort? Kopfantwort? Mehr Gefühl, weniger Gefühl? Hirn aus? Hirn an? Welches Hirn? 

Zeit für eine Grundsatzdebatte! Also: Es geht um die Möglichkeit wirklicher Kritik! Und um deren Sprechort. Die Frage nach ihrem Ort ist nicht nur eine theoretische, sondern auch eine praktische: Welchen Ort stellt die testcard dar, und was ist der Ausgangspunkt ihrer Kritik? Der kategorische Imperativ? Der Kantische, der Marxsche oder Adornos? Das bessere Leben? Der Hedonismus oder der Pursuit of Happiness? Die Utopie einer klassenlosen Gesellschaft? Oder die einer Räterepublik der Wesen und der Dinge? Das Paradies der Poplinken als paradoxe Symbiose aus Gerechtigkeit, Respekt und Verantwortung einerseits sowie Hedonismus, Verschwendung und schöner Indifferenz anderseits? Und: Was kritisieren wir? Und: Mit welchen Wertmaßstäben? Und: Wer sind wir, die wir kritisieren? In welcher Art äußern wir das? Wer hat uns den Auftrag dazu gegeben? Und was wollen wir mit dieser Kritik bewirken? Welche Reichweite hat sie, hat Popkritik überhaupt, wenn doch alles Pop ist, und alles Kapitalismus (also: alles auch irgendwie völlig zu Recht kritisierbar)?

Inhaltsverzeichnis

Editorial

– ZUM BEGRIFF DER KRITIK –

Roger Behrens:
Kollaps. Geschichte und Klassenbewusstsein. Erweiterte Neuausgabe, A & B  Kritik/Pop

Jonas Engelmann:
In kritischem Zustand. Im Gespräch mit Thomas Edlinger über Verschwörungstheorien, Paranoia und ein Unbehagen an der Kritik

Martina Kigle:
Theory, please, come back again, everything is forgiven. Plädoyer für einen Angewandten Poststrukturalimus

Bini Adamczak:
Wiederholung und -Widerstand. Zu Peter Weiss’ Romantrilogie

Björn Bertrams:
Au revoir, critique!. Im Gespräch mit Philipp Felsch über Merve, Kritik und Theorie als Lebensform

Thomas Raab:
Kritik, technische Merkmale. Dislike à Remove

Roger Behrens:
Das kleine testcard--Küchen-ABC

Johannes Ullmaier:
Kategorien der Kritik. Detaillierte Inhaltsübersicht zu einer ungeschriebenen Studie

Sascha Hommer?/?Martina Lenzin:
Parolen aus der Stadt. Abenteuer eines Wolfes. Episode 4

– POPKRITIK –

Frank Apunkt Schneider:
Vom Schwierigen, das einfach zu -machen ist: Standortbestimmung für »die Poplinke« (in etlichen Anläufen).

Simon Reynolds:
Erinnerungen an die britische -Musikpresse

Dagmar Brunow:
Postpunk Manchester als homosozialer Nostalgietummelplatz. Retromania in Zeiten neoliberaler Stadtpolitik

Jan-Niklas Jäger:
Songs About Songs. Oder: Warum Ferdinand de Saussure sterben musste

Didi Neidhart:
Melancholy Babes on an Unsentimental Journey. Fragmente einer Flaschenpost

Chris W. Wilpert:
Symphonie der Frösche. Für ein Unbehagen an der Subkultur

Bertrand W. Klimmek:
Ohne noch irgendetwas zu wollen. »Auf einmal wird in Europa deutsch gesprochen.«

Sarah Sandelbaum?/?Hannah Zipfel:
»I Ain’t Your Mama!«. Repromania im Pop

Austrofred:
Über den meiner Meinung nach Niedergang der Kulturkritik.

Ferdinand Praxl:
Kritische -Distanz. Unsere Beziehungskrise mit Pop

Anna Bromley:
Was Dolly Partons Perücken mit Kritik zu tun haben könnten

Daniel Dravenau?/?Andreas Fischer:
The Wire. Analyse  Kritik  Entertainment

Johanna Dombois:
Cathy, the Criticerian. Cathy Berberians Medien

Wolfgang Buechs:
Zuhause während der digitalen Revolution.

– KRITIKFELDER DER GEGENWART –

Georg Seeßlen:
Wirklichkeit? Welche Wirklichkeit? Anmerkungen zur Transformation der freien Presse ins nationale Gefühlsmanagement

Vivek Chibber:
Kapitalismus, Klasse und Universalismus. Auswege aus der Sackgasse postkolonialer Theorie

Anna Seidel:
Popfeminismus und Kritik. Beyoncés Herstory und warum es kompliziert bleibt

Pascal Jurt:
Gegen die Unfähigkeit, in Widersprüchen zu leben. Im Gespräch mit Alex Demirovi? und Ruth Sonderegger

Merle Stöver:
Die Geister, die sie riefen. Zum Umgang mit der Kritik des Antisemitismus in aktuellen feministischen Debatten

Floris Biskamp:
Der weisse Faden. Erbstreitigkeiten, Strickpullover und Critical Whiteness

Katharina Hausladen:
Kranke Sounds. Devianz und Pop

Waltraud Blischke:
Non optimum  Gesellschaftskritik in der Kulturmaschine. Im Gespräch mit Volker Zander, Michael Hirsch, Christian Jendreiko und Olaf Karnik

– KRITIKEN –

Töne
Papier

Satan, kannst du mir noch mal verzeihen
Surf Beat
California über alles
Wo die wilden Maden graben
Zuhause während der digitalen Revolution