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Leseprobe

Broschur, mit zahlr. Abb.
142 Seiten
1. Aufl. 2005
9,90 €(D)
ISBN 9783931555931

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Antifolk
Von Beck bis Adam Green
Martin Büsser

Das weltweit erste Kompendium der Antifolk-Szene

»Wenn das Folk ist«, soll der Songwriter Lach in den 1980ern ausgerufen haben, »dann bin ich Antifolk!« Antifolk ist für Folk das, was Punk für Rock gewesen ist: eine Blutauffrischung gegen Spießigkeit und Dogmatismus. In Lachs »Open Mic Sessions«, die auch Amateuren zugänglich waren, machten Musiker wie Beck und Michelle Shocked ihre ersten musikalischen Gehversuche. Erst 2001 erlangte Antifolk auch in Deutschland durch die Moldy Peaches und den enormen Erfolg von Adam Green Aufmerksamkeit. Sie trafen mit ihrer schrulligen Musik und den originellen, teils liebevollen, teils bissigen Texten den Nerv der Zeit. In kürzester Zeit brach eine Welle der Begeisterung los – die ZEIT widmete Antifolk einen Aufmacher im Feuilleton, der Suhrkamp Verlag veröffentlichte ein Buch mit Gedichten und Prosa von Adam Green.

Doch wie ist die Szene entstanden? Wer sind ihre Protagonisten? Martin Büsser liefert das weltweit erste Antifolk-Kompendium, entstanden in Zusammenarbeit mit zahlreichen Musikern aus der Szene. Er gibt einen Abriss über die Folk-Entwicklung von Bob Dylan bis heute, beleuchtet den Do-it-yourself-Gedanken des Antifolk und liefert zudem ein Who’s who der Szene.

Der erste Teil spürt Vorläufern des »schrägen« Folk und einer spezifisch US-amerikanischen »Outsider Music« nach. Er enthält unter anderem Porträts von den Fugs, Godz, Jonathan Richman, Beat Happening und Daniel Johnston. Im Hauptteil werden die jüngeren Protagonisten des Antifolk ausführlich gewürdigt, darunter Jeffrey Lewis, Herman Düne, Kimya Dawson, Dufus und Adam Green.

Abgerundet wird das Buch durch eine Auswahl-Diskographie der wichtigsten Antifolk-Künstler.

Die Presse

»In Zeiten von glatt gebügelten Popproduktionen, wunderschön glitzernder Stars und inhaltsleerer Wegwerfmusik, macht sich Büsser die Mühe, die Randbereiche zu erforschen.« (neon.de)

Inhaltsverzeichnis

• Die 1960er Jahre
• Von Folk zu Antifolk
• Folkpunk und »Geniale Dilletanten«
• »Outsider Music« und Naive-Pop. Antifolk-Vorläufer von Jonathan Richman bis Daniel Johnston
• Antifolk – die Anfänge. Lachs »Open Mic Session« und der schnelle Aufstieg eines Jungen namens Beck
• Stille Songwriter Post-Grunge
• The Moldy Peaches
• Die Fan-Presse rückt an. Grillen mit den Moldy Peaches
• Antifolk, die Zweite. Eine neue Generation
• Interview mit Adam Green
• Kimya Dawson und Adam Green auf Solopfaden
• Greenmania
• Die Rückkehr der Independents
• Befindlichkeiten post 9-11
• Auswahldiskographie

Leseprobe

In den 1990ern war elektronische Musik das heiße Ding. Zumindest in Europa. Viele erklärten das Songformat für veraltet, wollten von Gitarren nichts mehr wissen. Dann kam es aber so, wie es in der meist zyklisch verlaufenden Popgeschichte kommen musste: Im neuen Jahrtausend feierte der Song sein großes Comeback. Mit Bands wie den Strokes und den White Stripes kam
der scheppernde Garage-Rock zu neuen Ehren. Aber auch die Wandergitarre hatte plötzlich wieder Konjunktur. Musiker und Bands wie Low, Bonnie »Prince« Billy, Lambchop, Kings Of Convenience, Smog und Songs:Ohia sorgten dafür, dass die Independent-Regale in den letzten Jahren vor allem von verträumter, introvertierter Songwriter-Musik bestimmt werden. Mehr noch: Der melancholische Stil mit Anleihen bei längst verstorbenen Songwritern wie Tim Buckley und Nick Drake ist in den 2000ern geradezu zum Synonym für »Indie« geworden.
Viele dieser Musiker haben bereits in den 1990ern Platten aufgenommen, aber erst in den letzten Jahren eine größere Beachtung gefunden. Begriffe wie »New Acoustic Movement«, »Quiet is the new loud« und »Sadcore« machten die Runde. Besonders hilfreich sind solche Etiketten allerdings nicht, suggerieren sie doch, dass es sich um neue Bewegungen handelt. In Wirklichkeit haben wir es aber mit Einzelgängern zu tun. Die neuen Songwriter kennen sich untereinander, sind zum Teil miteinander befreundet und treten gemeinsam auf. Sie bilden allerdings keine Bewegung oder Community wie im Fall von HipHop oder Punk. Kleiderordnungen und Style sind hier fremd. Propagiert wird vielmehr die musikalische Rückkehr des Subjekts, der Handschrift und des direkten, authentischen Ausdrucks – Werte also, die Techno kurz zuvor noch hatte überwinden wollen.

Auf der einen Seite der Strokes-Hype, auf der anderen die Neuentdeckung des Folk: Mitten in diesem Boom tauchte eine Band auf, die von beidem profitierte und sofort zu Lieblingen der Presse und des Publikums wurde: The Moldy Peaches. Sie sind von den Strokes entdeckt worden und haben mit deren Hilfe ihren Plattenvertrag bei Rough Trade bekommen. Ihre Musik war eine Mischung aus rumpelndem Garage-Sound und Lagerfeuer-Folk. Aber was für eine Mischung! Zum Teil stimmten die Töne nicht, geriet das Schlagzeug aus der Spur. Die Musiker vergaßen ihre Texte, lachten in die Aufnahme hinein und waren schlau genug, dieses Lachen nicht nachträglich herauszuschneiden. Ihr Witz und ihre Frechheit, ihre zum Teil tieftraurigen, aber mit dem Gestus kindlicher Unschuld vorgetragenen Texte, brachten es mit sich, dass die Moldy Peaches überall, wo sie auftraten, gebrochene Herzen hinterließen. Das Verhalten vieler Fans grenzte an Hysterie: selbst gemalte T-Shirts, selbst gebastelte Buttons. Der pubertäre Stil dieser Band brachte pubertäre Reaktionen hervor. Auch beim Autor dieses Buches.
»Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein«, hatten Tocotronic einst gesungen. Mit den Moldy Peaches trat eine Band auf den Plan, die genau dieses Bedürfnis einlöste: Selbst Dreißigjährige durften sich wieder wie Teenies fühlen und »Who’s Got The Crack« johlen. Von »veralteter« Gitarrenmusik oder »Retro« war da nichts zu spüren. Mit ihrer liebreizenden Musik und den zugleich desillusionierenden Texten trafen die Moldy Peaches den Nerv ihrer Zeit, unserer Zeit. Fehlte also nur noch die Bewegung.
Aber auch die hatten die Moldy Peaches während ihrer Europa-Tour schon mit im Gepäck. Das Zauberwort hieß »Antifolk« und war den meisten hierzulande unbekannt. Dutzende Bands und Solisten gäbe es schon, erklärten Adam Green und Kimya Dawson, alle miteinander befreundet, alle eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie ließen geheimnisvoll klingende Namen fallen – Dufus, Stipplicon, Prewar Yardsale. Die deutschen Journalisten notierten fleißig mit.

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