testcard #3: Sound Inhaltsverzeichnis

Broschur, mit Abb.
314 Seiten
1996, 2. Aufl. 2002
14,32 €(D)
ISBN 978-3-931555-02-3

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testcard #3: Sound
Roger Behrens / Martin Büsser / Jochen Kleinhenz / Johannes Ullmaier (Hg.)

Ausgabe zu Klangkunst, Elektronik und Ambient. Von Luigi Russolo zu John Cage, von Morton Feldman zu Kraftwerk, von den Beach Boys bis zu Zoviet France. Artikel über Dub, Geräusche in den Filmen von David Lynch und vieles mehr.


Editorial

Sound – ein eher vager Begriff – findet sich mit all seiner Ungenauigkeit in der gegenwärtigen Debatte um ›Sound‹ vs. ›Song‹, ›Klangkunst‹ vs. ›Rock‹, ›Sampling‹ vs. ›Gitarre‹ wieder, um hier nur einige mögliche Polaritäten zu nennen, mit denen derzeit hitzig jongliert wird. Dabei wird gerne vorgetäuscht, die Musik der letzten vierzig Jahre sei in ihrer Entwicklung ausschließlich von derartigen Gegensatzpaaren bestimmt gewesen. Wen wundert da, daß Bands wie Tortoise und Stereolab, die sowohl zum Saiteninstrument wie zum Sampler greifen, allenorts als Antwort auf alle Fragen übertrieben gefeiert werden.

Inzwischen ist diese Debatte so beliebig geworden, dass die Plattenfirma ›Intercord‹ im Waschzettel zur neuen MOBY-CD »Animal Rights« ankündigt, dass nur diejenigen, »deren Köpfe noch frei von Kultur-Faschismus sind«, verstehen würden, weshalb MOBY nun wieder zur Gitarre greift und R.O.C.K. spielt. Fahrlässiger Umgang mit Sprache und infamste politische Denunziation haben längst Eingang in einen Streit gefunden, der sich mehr denn je als ästhetisches Scheingefecht im Kampf um bloße Marktinteressen entpuppt.

Grund genug, sich dem Thema über Peripherien zu nähern, die keine Mitte vorgeben, schon gar keinen Erfüllungsort. Was gegenwärtig fehlt, ist das Nachdenken über die Möglichkeiten im Umgang mit Sound und eine Rekonstruktion der Geschichte vom Umgang mit Sound in der Musik, wobei Sound (dt. u.a. Ton, Klang) selbstredend Klangerzeuger wie Gitarre, Moog, Turntable und Telefonklingel neben sehr vielen weiteren gleichwertig einschließt.

In testcard 3 werden vergessene Strömungen und wenig bekannte Klangkonzepte vorgestellt, aber auch bereits bekannte Künstler (wie die Beach Boys oder John Cage) unter neuen Fragestellungen betrachtet; historische und politische Diskurse einmal nicht an der Frage festgemacht, ob eher Drum’n’Bass oder eher Oasis den ›Sound der ausgehenden Neunziger‹ mustergültig repräsentieren, bzw. ob Atari Teenage Riot eher als Green Day dazu fähig sind, die Kids auf dem Weg zum Riot zu vereinen. Die Texte von Roger Behrens und Martin Büsser gehen mit je eigenem Ansatz einer Frage nach, deren Beantwortung anderen (etwa den russischen Futuristen, über die in diesem Band auch zu lesen ist)selbstverständlich scheint: Ist ›Sound‹ politisch eindeutig kodierbar?

»Es geht ja nicht darum, wie Kunst kommunikativ werden kann. Die Frage sollte lauten: Wie kann Kunst so lange als möglich es vermeiden, kommunikativ zu werden? Will Musik Unverstandenes wahrnehmbar machen, und nicht Verstandenes, dann ist jedes Gelingen verdächtig, sofern es Bestätigung findet«, heißt es im Beitrag von Rigobert Dittmann, einem Text, der wohl auch sprachlich am ehesten die Uneindeutigkeit von Sound zu spiegeln versucht. Im Gegensatz dazu geht das Greiffswalder Autorenkollektiv – am Beispiel der extrem ›unkommunikativen‹ Band Zoviet France – gerade der Frage nach, inwieweit Sound, bei aller Schwierigkeit, nicht doch begrifflich fassbar ist.

Wir hätten das Thema zu dieser Ausgabe etwas eingrenzen können: auf ›Elektronische Musik‹ beispielsweise, ›Ambient‹, oder – ganz sophisticated – ›Klanginstallationen‹, oder – vielsagend – auf ›Geräusch‹; doch es hat sich nachträglich als günstiger erwiesen, mit dem offensten aller Begriffe zu arbeiten, weil beim Schreiben über ihn besonders deutlich wurde, wie schwer hier Kodierungen greifen und wie willkürlich es ist, dem jeweiligen Sound eine eindeutige Wirkung zuzuschreiben. Sämtliche der hier versammelten Beiträge bemühen sich deshalb, die Hybris einer allzu fixen Bestimmung ebenso zu vermeiden wie das modische Ärgernis, in der Sprache von Promoabteilungen den je hauseigenen Sound als Spitze dessen anzusehen, was im Umgang mit Sound(s) nur möglich ist.

testcard 3 handelt von Morton Feldman, Hans Eisler, Gilles Deleuze, Zoviet France, Kraftwerk, Francis Bacon, Brian Wilson, David Lynch, Marcel Beyer, Carl Craig, John Cage, Luigi Russolo, Adrian Sherwood, Theodor W. Adorno und den Beatles, vereinbart Unvereinbares und stellt damit nicht zuletzt die eingangs erwähnten Gegensatzpaare in Frage. Das kann uns als Stärke, aber auch als Schwäche ausgelegt werden.

Die Redaktion

Die Presse

»Während die meisten Popmagazine nur den Ausschnitt sehen, den sie als Szene repräsentieren wollen, scheint die Dimension Geschichte bei Testcard den Blick auf das gesamte Popuniversum der Gegenwart auszuweiten.« (junge Welt)

»Es ist nichts weniger als essentiell.« (artefakt)

Inhaltsverzeichnis

Martin Büsser:
The Art Of Noise/The Noise Of Art. Eine kleine Geschichte der Sound Culture

Roger Behrens:
Soziale Verhältnisse – Klangverhältnisse. Versuch einer Entzerrung des ausgesparten Problems der Materialdialektik in der Populärmusik von Roger Behrens

Achim Wollscheid / Rigobert Dittmann:
Sounds From Dreamland/Ghostland

Sascha Ziehn:
Organum. »... ich kann mir sehr gut vorstellen, keine Musik mehr zu machen.«

Ruelgo The Dwarf, übers. v. Owig DasGupta:
Le Syndicat

Greifswalder Arbetskreis für Populärkulturforschung:
:Zoviet*France: für alle!

Martin Büsser:
Drone Records. Musikalisches Rotationsprinzip

Martin Büsser:
Artware Audio. Von Dada bis Hanatarash – Leben für die brachialen Wahrheiten.

Nikola Duric / Albrecht Kunze (Gespräch):
Die hysterische Phase der Beach Boys

Eike Hebecker:
Rhythmus, Roots & Robotron. Kraftwerk und die Folgen

Nikola Duric:
Elegant Dub Boutique Vol.2

Felix Klopotek:
Sound & Dichotomie. Georg Graewes Label Random Acoustics

Nikola Duric / Hans Peter Kuhn (Gespräch):
Digital ist verbesserbar

Martin Büsser:
Listen and repeat. Vom großen Elektro-Boom und der Entpolitisierung des Pop.

Sigmar Berrisch:
Klänge aus einer fremden Welt. Die Anfänge elektronischer Klangerzeugung.

Susanne Tröger:
Klangkatastrophen. John Cage und Morton Feldman im Vergleich.

Caroline Schramm:
Avantgardistische Geräuschmusik in Russland


Sounds & Noises. Kommentierte Auswahldiskographie zum Themenschwerpunkt

Roland Dietrich:
Ich sehe was, was du nicht hörst. Marcel Beyers ›Flughunde‹

Frank Hofmann:
Sound und Film

Marco Graba / Bernd Klöckener:
So oder So. Christoph Schlingensief über Ton in seinen Filmen

REZENSIONEN TONTRÄGER

A CERTAIN FRANK: No End
A REMINISCENT DRIVE: Flame On ARMANDO: One World, One Future
ADOLF NOISE: wunden, 5. Beine offen
ALBOTH!: Ali
ALEC EMPIRE: Hypermodern Jazz 2000.5
ALEXANDR MOSOLOV: Sonatas for Piano / Deux Nocturnes op. 15
BADPHISCH: The Making Ov Rakija
BRUCE GILBERT: Ab Ovo
CHAKO: Ebb & Flow
CHRISTIAN VOGEL: Body Mapping
CLAUS VON BEEBER: Herz mit. Ein Hörstück mit 5 Schallplattenspielern und und 16 Schallplatten
CONSUMERS PARADISE / MERZBOW: Hore Of The Goat
DANEMARK: Chanteurs et ménétriers
DANIELLE LOMBARDI (Klavier): Futurpiano. Arthur Vincent Lourié, Leo Ornstein, George Antheil
DIE GOLDENEN ZITRONEN: Economy Class
DJ EVO: We Are Evo
DJ FREAK: Kill it No.21 / Kill it No.19
EGOEXPRESS: Foxy
EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN: Stella Maris
ELECTRIC SKYCHURCH: Knowoneness
EXPERIMENTAL AUDIO RESEARCH: Beyond The Pale
FAUST: Rien
FETISCH PARK: Instinktverlust
FETISCH PARK: Trost / Sporen/Binumb
FINLANDE: Musique traditionelle
GALINA USTVOLSKAYA: Piano Sonatas 1-6 (Marianne Schroeder, Piano)
GENERAL STRIKE: Danger In Paradise
GILBERT/HAMSPON/KENDALL: Orr
GILES/MUIR/CUNNINGHAM: Ghost Dance
HENRY COW: Concerts
HIGHER INTELLIGENCE AGENCY VS. BIOSPHERE: Polar Sequences
HUICHOLES: Música Y Canto Ceremonial Huichol
HUM PROJIMO: Alpenglüh’n: Songs From Murmi
HUMAN FACTOR: The Sun
IANNIS XENAKIS: La légende d’Eer
ILLUSION OF SAFETY: Same
JOAN ALBERT AMARGOS: Concerto pour clarinette / Sonates / Trio
JOE BYRD AND THE FIELD HIPPIES: The American Metaphysical Circus
JOE MANERI QUARTET: Let The Horses Go
JOHN CAGE: Imaginary Landscapes (Maelström Percussion Ensemble)
JOHN GREAVES: Songs
JOHN ZORN: The Classic Guide to Strategy Vol.1&2
JON ROSE: Perks
KATO HIDEKI / IKUE MORI / FRED FRITH: Death Ambient
KATO HIDEKI: Hope & Despair
L.O.R: Ficcarri
LADOMAT 2000: Compact Disc Vol. One
LEIF ELGGREN: Talking To A Dead Queen
LONG FIN KILLIE: Valentino
MAEROR TRI: Myein / Exorbitant
MEAT BEAT MANIFESTO: Subliminal Sandwich
MERZBOW: Locomotive Breath
MICHAEL?VORFELD:?Klimazonen. Musik für erweitertes Schlagwerk
MICROSTORIA: snd
MO BOMA: Myths Of The Near Future Part 3
MORSHEEBA: Who Can You Trust?
N.N. UND ÄHNLICHE KLÄNGE: Auferstehung der begrabenen Hunde
PETER JEFFERIES: Electricity
PHILL NIBLOCK: A Young Person’s Guide To Phill Niblock
PLURAMON: Pick up Canyon
POLOGNE: Instruments populaires
RALF WEHOVSKY: Nameless Victims
RALF?DÖNERT?/?PETER?WILBERT: Zimmerpflanzen im Endstadium
SAT STOICISMO: Mah 2
SCOTT JENERIC: 3000 Words
SILK SAW: Come Freely, Go Safely
SOFTBALLETFORMS: Remix For Ordinary People
SOMA: The Inner Cinema
STEFFEN SCHLEIERMACHER (Klavier): Soviet Avant-Garde. Arthur Lourié, Alexander Mossolov, Sergej Protopopov, Nikolai Roslavetz
STEPHAN FROLEYKS: So fuhren sie im Boot, tauschten Gedanken aus, und die Ruder in ihren Händen blitzten wie Schüsse
STRAFE FR: Pianoguitar
THE COCTAILS: Same
THE CREAMS: Pluto
THE FLYING?LIZARDS: The Secret Dub Life Of The Flying Lizards
THE MOOG COOKBOOK: Same
THE VISION: Namas Te
THIS HEAT: Made Available (Peel Sessions)
TOTAL: Sky Blue Void
TRANS AM: Same
TRUE FREQUENCIES: Same
ULRIKE HAAGE / PHIL?MINTON?/ F.M. EINHEIT: Goto
VERSCHIEDENE: 10% file under Burroughs
VERSCHIEDENE: A Fault Into Nothing
VERSCHIEDENE: Assemblage Vol. 2
VERSCHIEDENE: Folds And Rhizomes for Gilles Deleuze
VERSCHIEDENE: Lo Recordings Vol. 2
VERSCHIEDENE: Los Angeles Free Music Society 1973–1994
VERSCHIEDENE: Slow Music: Texas Bohemia II
VERSCHIEDENE: The Day My Favourite Insect Died
VIERZIG SEKUNDEN OHNE GEWICHT: Merve Discount
WHIRLPOOL PRODUCTIONS: Dense Music
WIRE: Behind the Curtain. Early Versions 1977 & 78 / Turns and Strokes
YUKIO YUNG: Goodbye Pork Pie Brain /


Rezensionen Papier

AG SPASS MUSS SEIN (Hg.): Spassguerilla. Reprint
BRUNO HEFENGER / GERD STÜWE / GEORG WEIGEL: Punks in der Großstadt. Punks in der Provinz
CHRIS BURDEN: Beyond The Limits
DAVID KEREKES / DAVID SLATER: Killing For Culture. An Illustrated History of Death Film from Mondo to Snuff
FRANK ZAPPA: In eigenen Worten
FRIEDHELM BÖPPLE / RALF KNÜFER: Generation XTC. Techno und Ekstase
GILLES DELEUZE: Differenz und Wiederholung. Francis Bacon. Logik der Sensation
GÜNTER BRUS: Blitzartige Einfälle in vorgegebene Ideen
JACK SARGEANT: Born Bad. The Story Of Charles Sarkweather & Caril Ann Fugate
LEIF ELGGREN / THOMAS LILJENBERG: Experiment with dreams. Buch und CD
MARCUS HEUGER / MATTHIAS PRELL (Hg.): Popmusic. Yesterday, Today, Tomorrow
RAPID EYE # 3
RAYMOND HAINS: Akzente 1949–1995
REVELATION # 11
ROGER BEHRENS: Pop Kultur Industrie. Zur Philosophie der populären Musik
ROLF SONNEMANN / PETER STÖFERLE. Consequence. The Conrad Schnitzler Biography & Discography
SPEZIAL. Zeitschrift gegen Kultur und Politik

For the Sake of the Song
Das Ox-Kochbuch
Retromania
Angsterhaltende Maßnahmen
Vorkriegsjugend