Zonic Inhaltsverzeichnis

Broschur, mit zahlr. Abb. und farb. Bildteil
224 Seiten
1. Aufl. 2013
18,00 €(D)
ISBN 978-3-931555-35-1

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Zonic
Almanach für kulturelle Randstandsblicke & Involvierungsmomente. No. 20
Alexander Pehlemann (Hg.)

Was 1993 als klassisches Do-it-Yourself-Fanzine in Greifswald begann, hat sich seitdem zu einem der eigenwilligsten (Sub)-Kultur-Magazine des Landes entwickelt – und nun mit der gerade erschienen Jubiläumsnummer zum 20. Geburtstag im Ventil Verlag eine neue verlegerische »Heimat« gefunden – wenn auch Zonic mit »Heimat« eher wenig am Hut hat. Zur Verortung allerdings gehört, dass sich das Hauptquartier gen Leipzig-Connewitz verlagert hat und nun passenderweise im ursprünglichen Gebäude der Galerie Eigen+Art liegt, in dem als Kultúrny Dom B31 der Öffentlichkeit ab und an zonic-kompatible Themen offeriert werden. Eine gewisse geografische Gewichtung allerdings gibt es sowieso: (Randstands-)Blicke auf die (sub)kulturellen Szenen Osteuropas beziehungsweise des ehemaligen Ostblocks (Laibach und die Neue Slowenische Kunst, NOM, Autopsia, SPIONS, A.E.Bizottság, Satan Panonski, Polski (Post) Punky Reggae Party …) stehen wie bisher als präferierte Richtung in der Jubiläumsausgabe, flankiert aber auch von Ausflügen in schwule Subkulturen oder einer liebevollen Annäherung an die Traurigkeit der Karen Carpenter.

Wenn sich dabei quer durch den Almanach eine gewisse inhaltliche Schwere breit macht – etwa durch Annäherungsversuche an Neofolk & Death in June, eine feldforschende Grauzonenerkundung in Greifswald und nicht zuletzt das Thema Tod (als aller Ziel sowie das Ziel Kommunismus als »ununterbrochene Überwindung« dessen) –, wird sie durch eher frei schwebende Themen wie einen Blick auf jüdische Luftmenschen, methodische Kategorisierungen von Dance Lyrics oder anekdotisch unterfütterte Analysen des Drogenkonsums in der DDR abgefedert. Kontroverse und oft eher selten observierte Themen und zuspitzende Diskussionsbeiträge, das Wühlen in Widersprüchen und Aushalten von Ambivalenzen prägen Zonic aber weiterhin, ebenso wie die Spurensuche in den kulturellen Avantgarden des 20. Jahrhunderts. Daniil Charms tanzt dabei mit der AG Geige, Schorsch Kamerun spricht über Selbstverwirklichungsproblematiken, Valeri Scherstjanoi und Bert Papenfuß stehen für die Kontinuität poetischer Sprachexperimente seit dem russischen Futurismus und die Collagen von Column One für postdadaistische Gegenkunstgrafik, sogar die subkulturelle Hirschologie wird vorgestellt und das erste Werk einer zu entwickelnden Neuen Sorbischen Kunst.

Zonic treibt die Bastardisierung der Kultur weiter voran, was natürlich nicht ohne Mühsal zu haben ist. Ein Blick zurück und zwei nach vorne: die lange angekündigte Zonic-Almanach-Ausgabe 18/19 ist dabei kurzerhand Teil der Jubiläumsnummer geworden, die nun, man kann es nicht oft genug sagen, glücklich im Programm des Ventil Verlags gebettet ihrer LeserInnen harrt; nicht die einzige Ventil-Zonic-Kooperation: ein nächstes Zonic-Spezial ist in der Pipeline, das als erweiternde Fortsetzung der Erforschung des »DDR-Magnetbanduntergrunds« eine radikal subjektive Klang-, Zeit- und Raumreise durch die Subkulturen-Zonen aller Länder hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang verspricht.

Inhaltsverzeichnis

mr.makowski / Rainer Mende:
Wieviel Prozent Babylon? Polnischer Underground zwischen Affirmation und Rebellion

Frank Apunkt Schneider:
The Carpenters. Eine sentimentale Reise in die Traurigkeit der Karen C.

Jonas Engelmann:
Luftmenschen und wurzellose Kosmopoliten in Galizien, Kansas, Odessa, Montreal und anderswo

Robert Mießner / Alexander Pehlemann:
Soundexchange & die Points East-Serie. Inklusive Chris Cutler-Interview

Ewgeniy Kasakow:
NOM: Charms’ Enkel, Laibachs Söhne

Inke Arns:
Kritik durch Affirmation und Identifikation. Was Daniil Charms und die sowjetische Spätavantgarde mit Laibach verbindet.

Daniil Charms:
Rehabilitation. Sein letzter Text

Robert Mießner:
Tomaz Hostnik. Zum Selbsttod einer Frontfigur

Alexander Nym:
Inszenierung und Instrumentalisierung von Individualität bei Laibach

Alexander Pehlemann:
SPIONS. Die erste Punk-Band des Warschauer Pakts

Alexander Nym:
Autopsia. Das ex-jugoslawische Kunst- & Klangprojekt aus Prag

Robert Mießner:
Veselí Filistínove. Tschechischer Industrial im Shithauz

Barbara Eder:
Titos PartisanInnen im Dark Room. Die slowenische Band Borghesia

Leonhard Lorek:
Peter Christopherson. Oder: von Uncle Sleazy, Göttern & Großmüttern

Henryk Gericke:
The Beat goes on. Ein später Nachruf auf John Balance

In Sachen Selbstverwirklichung. Schorsch Kamerun im Gespräch mit Ulrich Bröckling + Song-Texte

Alexei Monroe:
Hirsch als Tonträger und Ton als Hirschträger

Matthias Meindl:
Russischer Radikalismus im Fahrwasser der Nationalbolschewisten

Armin Siebert:
Janka. Ein später Nachruf auf die sibirische Folk-Punk-Sängerin

Su Tiqqun:
Frauen im DDR-Punk

Wiktor Skok:
Siekiera – eine polnische Legende zwischen Hardcore, Post Punk und balladeskem Revival

Cpt.Sparky:
New Polski Wave als persönliche Auswahl

Norman Gorek:
Grauzone: ein Ortsbefund aus Greifswald

Alexander Nym / Ullrich Bemmann:
Der Neofolk & das Death in June-Buch

Sakerdon Michajlovic:
Ein Anti-Hero des Jugo-Punk: Satan Panonski

Alexander Pehlemann:
Luk Haas: Vom Punk hinterm Eisernen Vorhang zum Punk ohne Grenzen

Neues Altes aus dem DDR-Magnetbanduntergrund:

Alexander Pehlemann:
Die Gehirne, Orlacs Hände, Knut Baltz Formation und andere Projekte von Claus Löser und Florian Merkel

Frank Apunkt Schneider:
AG Geige: Von Karl-Marx-Stadt zur Transzendenz der DDR.

Alexander Pehlemann:
Das freie Orchester. Dieter Zobel und Gui Gust im Interview

Alexander Pehlemann:
Freunde der italienischen Oper: Die Wiederkehr!

Ronald Galenza:
Aponeuron, Tollkirschen und Engelstrompeten - Drogen in der DDR

Bert Papenfuß:
Aus dem »Psychonautikon Prenzlauer Berg«

Column One: »Jugendpflege als vorbeugende Fürsorge«. Collagen von Jürgen Eckloff, Tom Platt und Robert Schalinski

Wire in Deutsch. Text-Übertragungen von Henryk Gericke/ Bert Papenfuß/ Falko Teichmann/ Stefan Döring/ Alexander Krohn

Alexander Pehlemann.
Kalandra Fél! Die magyarischen Art’n’Absurd-Sounds des A.E.Bizottság. Mit Text-Übersetzungen.

Hans Nieswandt:
Tiefer! Ein Einstieg in die methodologische Erschließung und Kategorisierung von Dance Lyrics.

Barbara Schurz / Alexander Brener:
Show Stoppers. Eine Attacke auf Peaches

Michael Gratz:
Die Vorandrift der Bastardisierung. Das Dossier

Gal Kirn/ Vedrana Madžar/ Nataša Tepavcevic/ Matteo Colombi:
Partisanen-Filme & die (Post-)Jugo-Kultur

Bernd Adamek-Schyma:
Musikalisch-literarische Phänomene in der Ukraine. Interviews mit Grigoriy Semenchuk und Juri Andruchowitsch

Henryk Gericke:
Rainer Schedlinski – Die Fortsetzung der Poesie mit anderen Mitteln

Michael Gratz:
Zu Krutschonych und Scherstjanoi mit einem Schlenker zu Rimbereid

Asja Plath
Die rote Köchin: Spartakistische Rezepte

Ewgeniy Kasakow:
Kommunism

Robert Mießner:
Trans-Europa-Jukebox

testcard #17: Sex
Ästhetik ohne Widerstand
Dopplung und Deutung
Drive-By Shots
Sämtliche Niederlagen