Hot Topic Inhaltsverzeichnis
Leseprobe

Broschur, mit Abb.
304 Seiten
2007, 3. Aufl. 2011
14,90 €(D)
ISBN 978-3-931555-75-7

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Hot Topic
Popfeminismus heute
Sonja Eismann (Hg.)

Frauen porträtieren ihre Lebensrealitäten zwischen Abtreibung, Indie-Mutterschaft, Prekariats-Boheme, queerem Coming-of-Age, Schönheitsterror und Exotinnendasein im Musik- und Medienbusiness.

Seit der konservative Backlash offen in Form von neuem Gebärzwang und alten Hausmütterchen-Doktrinen zutage tritt, besinnt sich sogar der Mainstream wieder auf die Notwendigkeit des Feminismus. Dabei wird gerne übersehen, dass es abseits des gemäßigten Feuilleton-Bekenntnisses zur Geschlechtergleichheit eine Menge junger Frauen gibt, die sich den radikalen »Luxus« eines feministischen Bewusstseins leisten und diesen in verschiedensten Formen leben.

In Anlehnung an die Vielzahl anglo-amerikanischer Textsammlungen, die hierzulande immer noch ihresgleichen suchen, destilliert dieser anekdotisch angelegte Reader die gesellschaftspolitische Aussage aus dem privaten Erleben und knüpft damit dort an, wo vor beinahe zehn Jahren der bis jetzt einzigartig gebliebene Band »Lips Tits Hits Power« aufgehört hatte.

Die Presse

»So inspirierend und relevant war schon ganz lange nichts mehr. Wer im Feminismus-Diskurs am Laufenden sein will, kommt an diesem Reader nicht vorbei.« (Linus Volkmann in the gap)

»›Hot Topic‹ [...] ruft selbstbewusst zu mehr medialer Präsenz des popbezogenen Feminismus auf. Eine attraktive Vorstellung.« (Dörte Miosga in Intro)

»Eismann sieht speziell für den Feminismus gerade jetzt Potenziale von Widerstand und wählt den produktiven Weg. Das gefällt.« (Christoph Jacke in de:bug)

Inhaltsverzeichnis

Album

Cordula Thym:
I’M HERE, I’M QUEER, UND JETZT? Homophobie ist eine Strategie

Julia Roth:
FRAUENKÖRPER – MÄNNERSACHE? Ein feministischer Blick auf Verhütungspraktiken

Sarah Diehl:
AUCH DAS GEHÖRT ZUM LEBEN DAZU. Der Schwangerschaftsabbruch: das vernachlässigte Thema

Elena Stöhr:
I FELT LIKE I HAD SHATTERED INTO A MILLION PIECES. Grrrl Zines und sexualisierte Gewalt

Christiane Erharter:
ICH HABE ABGETRIEBEN! Weil Biologie nicht Schicksal ist

Vina Yun:
HARDCORE MIT HERZ. Beobachtungen zum D.I.Y.-Porno

Li Gerhalter:
WIE ANGORA. Körperbehaarung ist out – und krause Politik

Sarah Diehl:
PRO-ANA WEBSITES. Selbstbestimmung in der anorektischen Selbstaufgabe

Ina Freudenschuss:
MEIN KÖRPER, DER NEOLIBERALE KITT. Essstörungen als gesellschaftliches Symptom

Birgit Binder:
LANG LEBEN DIE KÖNIGE! Vom Ereignis des ›Kingen‹

Verena Kuni:
CYBERPOPFEMINISMUS. Nutzen und Nachteil des Popfaktors von/für Cyberfeminismus

Chris Köver:
COUCH-POLITIK. Wo in TV-Serien in puncto Feminismus was zu holen ist

Christiane Rösinger:
WANN? IST EGAL, ICH HABE IMMER ZEIT! Das Leben der Lo-Fi-Bohème

Katja Röckel:
TAKE A SEAT AND LISTEN! Mrs. Pepsteins Welt im freien Radio

Elke Zobl:
WEIL WIR ES SATT HABEN! Grrrl Zines als Ort der Selbstbestimmung

Stephanie Müller:
PUTTING THE F-WORD ON THE FASHION MAP. Wenn Mode radikal wird

Bettina Mooshammer:
Eva Trimmel, LADYFEST CAN SAVE YOUR LIFE! Ladyspace als Strategie feministischer Raumproduktion

Pia Thilmann:
SPIELREGELN FÜRS MÄNNERMIMEN. Drag Kings in der Populärkultur

Britta Hoffarth:
BABY, BE MINE. Mutter-Sein und D.I.Y.-Musik – persönliche Widersprüche

Raphaela Kehl:
Julia Wacker, Eva Zulauf, MIMIKRY. Sommermärchen – eine optische Täuschung

Julie Miess:
LEMMY, I’M A FEMINIST. But I Love You All The Way

Jutta Sommerbauer:
KEIN KONFLIKT, NIRGENDWO. Gender und Feminismus zwischen Ost und West

Karin Harrasser:
WUNSCH, FEMINISTIN ZU WERDEN. Nahräume politischen Handelns

Ute Hölzl:
MEIN GANZ PERSÖNLICHES F-WORT. Feminismus und Fußball

Pauline Boudry:
WE ARE THE FRONT OF LUXURY. Die Band-Politics von Rhythm King And Her Friends

Clara Völker:
PLATTEN STATT SCHMINKE AUFLEGEN. HipHop und Feminimus

Rosa Reitsamer:
ROAD TO NOWHERE. Weiße Männlichkeitskonstruktionen im Rock und Pop

Barbara Schulz:
DAS KLINGT JA SCHON GANZ ORDENTLICH! Erfahrungen in Bandkontexten

Comics

Leseprobe

»Hot Topic« ist ein Song der Band Le Tigre und der Name einer amerikanischen Bekleidungskette. In »Hot Topic« von der Band Le Tigre geht es um Vorbilder, die FeministInnen inspirieren, trotz aller Widrigkeiten weiterzukämpfen. Die börsennotierte Klamottenmarke »Hot Topic« rühmt sich damit, als erste »rock-inspired clothing« und »music-infl uenced accessories for teens« in rauen Mengen in die amerikanischen Malls gebracht zu haben. – Hier die Utopie, da die Ware. Ein Widerspruch, der wie ein beinahe ironischer Antagonismus erscheint. Und doch bringt er das Spannungsfeld, in dem sich auch dieses Buch bewegt, prägnant auf den Punkt. Während auf der einen Seite die immer noch misstrauisch bis hasserfüllt beäugte Bewegung des Feminismus’ aufgrund stets neu befeuerter Assoziationen von »Unattraktivität« und »Verbissenheit« wie die letzte Bastion der Unvermarktbarkeit wirkt, werden auf der anderen Seite die ihrer Inhalte entleerten ›coolen‹ Codes der popkulturell aktiven Feministinnen unbekümmert in den Markt eingespeist. Bestes, ad infi nitum wiederholtes Beispiel: die Mutation vom feministisch-punkigen Riot Grrrl zum konsumfröhlichen Spice Girly in den 1990er-Jahren. Aber auch Le Tigre, die Poster Girls einer neuen feministischen Revolution, werden als positive musikalische Referenz auf Websites erwähnt, die sich ansonsten hauptsächlich damit beschäftigen, in welchen Moskauer Puffs sich amerikanische Expats besonders kostengünstig Prostituierte kaufen können. Das Dilemma der Popkultur, das so alt ist wie die Popkultur selbst, hat nun auch den Feminismus erreicht, nachdem der es endlich geschafft hat, durch seinen zähfl üssigen Einzug in die Popkultur ganz andere RezipientInnen zu erreichen.
Aber dennoch und gerade deshalb: Dass man im deutschsprachigen Raum in Bezug auf neuere Feminismen gerne von ›Popfeminismus‹ spricht, heißt nicht, dass es keinen Widerstand mehr zu formulieren gebe. Und wenn an verschiedenen Stellen immer wieder gefordert wird, Feminismus müsse glamourös werden, dann gilt es auch innerhalb des hegemonialen Systems Pop zu korrigieren: Er muss dürfen, aber er darf nicht müssen. Nicht die viel strapazierte weibliche Haut muss wieder zu Markte getragen werden, um der Oberfl äche Pop mit einer adäquat zugerichteten femininen Oberfl äche das Prinzip Feminismus schmackhaft zu machen, sondern umgekehrt sollte Popkultur durch feministische Strategien perforiert und erschüttert werden.

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