super-lupo Leseprobe

Broschur, mit Illustrationen von Ole Kaleschke
160 Seiten
1998, 5. Aufl. 2010
11,25 €(D)
ISBN 978-3-930559-47-3

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super-lupo
jeder freund ist anders
Linus Volkmann

Linus Volkmanns nur scheinbar naive Geschichte versetzt die Figuren aus den »Fix und Foxi«-Comics der 70er Jahre in die gar nicht mehr so naive Realität der 90er. Es geht Volkmann um gestörte Kommunikation. Seine Figuren sind alle sehr mit sich selbst beschäftigt, ihre Kommunikation untereinander ist eine Farce. Das tut zwar allen leid, aber keiner kann die Entfernung zu den anderen wirklich überbrücken. Dafür sprechen alle vorbehaltlos mit Tieren, die ihnen zwar nie antworten, was aber keinen ernsthaft zu stören scheint.

»super-lupo« ist ein Roman über Koketterie und Klassenkampf, Hass und abstruse Melodramatik – von wegen, es ginge um Freundschaft! Jeder Charakter in diesem Buch ist unabwendbar einsam und zutiefst schwermütig, und doch ist die Sprache, sind Lumpinchen, Pauli und Annabelle so unverschämt sympathisch und putzig, dass man sich an den Genuss von sauren Pommes oder einer vollreifen Grapefruit erinnert fühlt.

Die Presse

»Linus Volkmann ist Gott, und sein Super-Lupo eine Offenbarung. Vergesst alle, vergesst sogar Helge Schneider und den ganzen Rest sowieso. Ein Jahrhundertroman über Koketterie und Klassenkampf.« (V.A.K.U.U.M.)

»Das große Verdienst von Herrn Volkmann ist die treffende Skizzierung von peinlichen Situationen an der Schwelle zum Selbsthass: Wenn die Freundin sich fremde Männer zum Stöpseln einlädt und auch auf den besten Freund kein Verlass ist, wenn man also vor Enttäuschung fast keinen klaren Gedanken mehr fassen kann, fallen einem immer noch Dinge ein wie: ›jeden Bissen dreißigmal kauen‹. Die Botschaft dieser Coverversion eines Romans: Das Leben könnte niedlich sein, ist es aber nicht.« (Moritz Biber in junge Welt)

»Situationskomik, die bis in’s Detail aus dem Leben gegriffen ist. So wie im Buch redet die halbe Welt täglich aneinander vorbei, ohne es zu merken oder ohne den Willen und Glauben, daran was ändern zu können. Echter Volltreffer.« (www.waitingroom.de)

Leseprobe

es schellte. »endlich sommerferien!« jubelte super-lupo, sprang auf und tanzte. wie lange hatte er darauf gewartet? nun ja, eigentlich war er ja arbeitslos und somit jeder tag sommerferien für ihn. doch er mochte es, wenn auch die anderen nichts tun mußten. da fiel er weniger auf.
es war der erste august. alle hatten frei außer den bayrischen kindern. ›die müssen bei der ernte helfen‹, dachte super-lupo. es schellte erneut. oha, super-lupo war ja zu hause, und das läuten der sommerferien-glocke an der tür. super-lupo ging besser mal hin. und er wußte auch, wer da jetzt käme. sein freund, der pauli. und wirklich. es stöhnte ordinär durchs treppenhaus. dann wieder stille. minuten später erschien pauli in der aufgemachten tür. paulis kopf war ganz rot vom angestrengtsein. er trug einen riesigen seesack auf seinem buckel. »verreisen, verreisen!« tönte es unter dem sack hervor. ach, verreisen wollten beide ja heute, wie hätte super-lupo das vergessen können? um so verwunderlicher, daß er es tatsächlich vergessen hatte. doch jetzt kam seine erinnerung zurück. auf sollte es gehen, in die jugendherberge ein dorf weiter. zu mehr reichte das geld nicht, und zu fuß.
doch pauli hatte eine überraschung:
»ich habe eine überraschung – wir laufen nicht nach herne 2!« sagte es und wuchtete den seesack auf den boden des zimmers. seine klamotten darin klirrten. super-lupo war sich derweil am wundern. ›eine überraschung … höchst merkwürdig.‹ er runzelte die stirn. pauli genoß die aufmerksamkeit. und schritt dozentengleich durch die sachen, die super-lupo auf dem teppich plaziert hatte. dies und jenes stieß er dabei um. super-lupo verdrehte die augen, wenn wo noch was rauslief. pauli wedelte mit den armen. und sagte zum mindestens dritten mal: »ich verspreche dir, du wirst sehr überrascht sein, super-lupo.« pauli trat gegen ein weiteres glas, ein glas, um das super-lupo schon seit wochen immer kunstvoll drumrum gegangen war. nicht mehr gute orangeade lief über den teppich. »wirst du jetzt wohl endlich reden?« verlangte super-lupo, des spazierenden paulis überdrüssig. der bremste, schwankte und sagte dann: »wir fahren nicht nach herne 2.« pause. pauli guckte erwartungsvoll. super-lupo zur uhr. unvermittelt schrie der eben noch so langsame erzähler dann: »wir fahren an den lago maggiore. nach italien!« pause. »hurra?« sagte super-lupo mißtrauisch und klopfte gegen pauli, um zu gucken, ob er noch funktionierte. ›ja, der geht‹, dachte super-lupo. und jetzt an den lago maggiore. zusammen mit ihm. komisch, aber finanziell sei alles narrensicher – dank ihm, gab pauli an. super-lupo solle jetzt nur noch packen. ganz geheuer war dem das nicht. aber er wollte sich lieber schnell drauf einlassen, bevor es wieder fort war.
ein hut, ein hemd, ein regenschirm lagen bald in dem gelben sack, den sich super-lupo zum koffer genommen hatte. der gelbe sack war mit diesem spaßequipment nicht mal viertel voll. verglichen mit dem ungetüm, das pauli angeschleppt hatte, wirkte es doch recht mager. »was ist da drin?« fragte super-lupo und deutete auf den pauli-seesack mit der aufschrift marine.
»nur bierflaschen.« – »nur bierflaschen?« – »ja.« – »keine klamotten?« – »keine klamotten.« – »vergessen?« – »schätze schon«, antwortete pauli als letzter im gespräch.
»fertig!« eröffnete super-lupo ein neues und meinte dabei das packen. »ich auch!« rief pauli und meinte wohl irgend etwas anderes. das konnte aber auch egal sein. denn es sollte losgehen. denn es ging los.

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