Das traurige Ende des Märchenkönigs Inhaltsverzeichnis
Leseprobe

Broschur
124 Seiten
1. Aufl. 2002
9,90 €(D)
ISBN 978-3-930559-96-1

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Das traurige Ende des Märchenkönigs
... und andere Sexgeschichten
Jaromir Konecny

Dr. Jaromir Konecny, tagsüber als Antiquar in München tätig, ist eine literarische Ausnahmeerscheinung: Abends verwandelt er sich zum leidenschaftlichen Poetry Slammer. »Wo andere Slampoeten durch derbe Formen über literarische Ungeschicklichkeiten hinweg zu blenden suchen«, schrieb die Süddeutsche Zeitung, »hat Konecny zweifellos das Talent für hohe Literatur.« Die Fans danken es ihm: In der Slam-Landschaft ist er ein Star, als Person, als brillanter Performer, als Literat.

Das traurige Ende des Märchenkönigs präsentiert Konecny als ein erzählerisches Talent, das selten geworden ist: Seine Geschichten sind rasant geschrieben, fesselnd, voller Humor, aber auch melancholisch und hintergründig. Als »Emigrant«, wie er sich selbst gerne bezeichnet, ist sein Blick auf Deutschland stets gebrochen, voller Fragen und kreativer Missverständnisse. Der bittere Witz seiner Prosa entsteht im Niemandsland zwischen den Ländern, Geschlechtern und Identitäten und hilft, unsere gewohnte Ordnung in Frage zu stellen.

Die Presse

»Konecny, der bereits 1982 nach Deutschland emigrierte und dem hiesigen Basar seit gut acht Jahren eine Frischzellen-Kur nach der anderen verabreicht, verfügt über alle Gaben, die ein großer Erzähler benötigt.« (junge Welt)

»Das Groteske ist sein Metier, er begibt sich indes mit feiner Melancholie dorthin – und eben mit gut gewählten Worten.« (General Anzeiger)

»Konecnys Bücher tun mehr für Europa als Arte, Vox und Super RTL zusammen.« (BLITZ!)

Inhaltsverzeichnis

• Mein erstes sexuelles Abenteuer
• Auf der Jagd nach Terroristen
• Liebesgrüße aus der Gruft
• Der Steinmetz
• Wie ich mit Hilfe bewusstseinserweiternder Pilze den besten Sex meines Lebens hatte
• Das traurige Ende des Märchenkönigs
• Über die Gewalt an Männern
• Wie Tschechen ins Fernsehen kommen
• Die Osterbotschaft oder der Krieg zwischen Männern und Frauen
• Wie erotisch ist Literatur?
• Untersuchungen an Emigranten
• Altslawische Rituale im mährischen Gebirge
• Der ausgesprochen kurze Bildungsroman
• Die Revolution frisst ihre Kinder
• Die Macht der Wiederholung
• Bei der Post AG
• Wie du die Dame deines Herzens mit dem Sport fesselst

Leseprobe

Auszug aus »Untersuchungen an Emigranten«:

[...] Vor lauter Frust schrieb sich Konrad bei einer Heilpraktikerschule ein. »Ich werde euch alle heilen!« drohte er uns, doch sein Versuchskaninchen war schon ausgemacht: »Du«, sagte er mir einmal, »du bist arg mißgebildet, an dir kann ich meinen neuen Orthophalographen testen.« Er machte einen großen schwarzen Koffer auf. Lauter Drähte und Schläuche schlängelten sich dort, Lämpchen und Dioden blitzten und blinkten.
»Das ist ein Universaltester!« sagte Konrad. »Das Gerät hat 4000 Mark gekostet! Es findet jede Krankheit!«
Ich mußte mich ausziehen und auf das Sofa legen. Konrad schmierte meinen Bauch und meine Brust mit Vaseline ein. Er lächelte zufrieden, seine Backen glänzten vor Fett, seine Stirn triefte vor Schweiß, das gesunde Rotweinrot seines Gesichts war so rot, daß es fast ungesund wirkte. Mit einer Malerrolle fuhr er über meinen Bauch. Der schwarze Zeiger des Geräts schoß in den roten Bereich.
»Waas?!« brüllte Konrad. »Mensch! Du hast eine große innere Verletzung! Bei dir muß ein lebenswichtiges Organ ganz kaputt sein. Hast du heute einen Unfall gehabt?«
»Nee!«
»Leute, schaut es euch an. Das gibt es nicht! Du müßtest eigentlich schon längst tot sein! … Milan, hol das handgepreßte Olivenöl aus der Küche. Jaromir stirbt!«
»Um Gottes willen! Muß ich jetzt Olivenöl trinken?«
»Was? Mein teures Öl trinken? Spinnst du? Du bekommst die letzte Ölung!« Er beschmierte mich mit Salatöl, und wir warteten auf meinen Tod.
»Sollte ich nicht ins Krankenhaus fahren?« fragte ich nach einer Viertelstunde schüchtern.
»Zu spät!« sagte er.
Doch irgendwie mußte sich das Gerät geirrt haben, ich lebte weiter. »Dein Körper ist so hin«, sagte Konrad, »daß er es nicht einmal schafft, sauber zu sterben.« Er war mächtig sauer auf mich, er knetete mit seinen Fingern meine Brust durch, auf der Suche nach bösartigen Knoten. »Da ist was«, sagte er, doch wo es war, wollte er mir nicht sagen.
Am nächsten Tag hielt er mir ein Bierglas hin. »Gib mir eine Harnprobe!«
»Wieso?« fragte ich.
»Wieso, wieso? … Vielleicht kann ich dich noch retten.«
Ich kam aus dem Badezimmer zurück, er steckte seinen Finger in die gelbe Flüssigkeit, leckte den Finger ab und sagte: »Du solltest nicht so viel Fleisch essen! …«
[...]

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