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Leseprobe

Hardcover
206 Seiten
1. Aufl. 2006
14,90 €(D)
ISBN 978-3-931555-83-2

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Anke
Roman
Linus Volkmann

Eine Geschichte zwischen Hauptstadt-Euphorie, großer Pop-Blase, Wirtschaftskrise und Provinz-Tristesse.

Gärtner ist 30 Jahre alt geworden und lebt wieder im Ex-Kinderzimmer bei seinen Eltern. In den Neunzigern war er nach Berlin gezogen, um vom Boom der Musikindustrie zu profitieren. Seine steile Karriere als Youngster bei einem großen Plattenlabel wurde durch die wirtschaftliche Krise der Branche jäh unterbrochen. Wieder zum Schauplatz seiner Kindheit und Jugend zurückgekehrt, einem Vorort von Frankfurt, muss er beim Abendbrot Fragen nach seinen Zukunftsplänen ausweichen.

Gärtner streift durch die stehen gebliebenen Szenarien seines Heimatdorfs, durch die alten Kneipen, trifft die alten Schulfreunde. Als er auch noch seiner verflossenen Liebe Anke begegnet und alte Gefühle neu aufkochen, wird alles so richtig schwierig.

Mit seinem Roman entwirft Linus Volkmann ein Stimmungsbild der jüngsten Gegenwart, das sich durch ebenso viel Humor und Anteilnahme wie durch ernüchternde Beobachtungsgabe auszeichnet. Das Leben zwischen schwindsüchtiger Ich-AG am heimischen Telefontisch, Drogen und unausgegorenen Beziehungen gibt die prekäre, orientierungslose Situation der heute 20- bis 40-Jährigen präzise wieder – rücksichtslos, aber auch mit einem Augenzwinkern, wie es die Leser bereits aus Volkmanns früheren Texten kennen. »Anke« ist ein Pop-Roman, der sich nicht an der Oberfläche aufhält, sondern auch die existenziellen Sorgen benennt, die das »Lebensmodell Pop« so schwierig machen.

Die Presse

»Gekonnt spielt Intro-Autor Volkmann auf der Klaviatur der Populärkultur, berichtet erheiternd und ernüchternd über die Schwierigkeit seinen kleinen Platz in der großen Welt zu finden.« (Subway)

»... extrem unterhaltsam und wird von Amazon allen empfohlen, die nach ›Generation Golf‹ und ›Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm‹ mal etwas Non-Fiktionales lesen wollen.« (Visions)

»... ein Roman für all die selbstausbeuterischen ›Kreativen‹, für die ›urbanen Penner‹ oder die ›digitale Bohème‹, je nachdem wie positiv man diesen Lebensentwurf bewerten mag oder wie zugehörig man sich fühlt.« (Rolling Stone)

Leseprobe

»Wo bleibst du denn, Bub?«
Das war seine Mutter.
Die misstrauisch wurde, weil Gärtner so viel Zeit zwischen Unten-Klingeln und Oben-Ankommen hatte verstreichen lassen. Willkommen zurück in der familiären Potenz der Kontrollgesellschaft. Mann, war er am Arsch. Und unten warteten noch Dutzende weitere Kisten darauf, dass er sie hoch in sein altes Kinderzimmer trug. Und in der erstbesten hier, die er gegriffen und mitgeschleppt hatte, befand sich eine ziemlich staubige, gelbliche Pflanze. Deren Herkunft: absolut schleierhaft. Wie überhastet war sein Auszug aus Berlin eigentlich gewesen, dass ihm manch Kisteninhalt fremd vorkam? Gegenüber dem gepflegten Farn hier zwischen den beiden Stockwerken sah sein Teil jedenfalls schäbig aus.
»Ich komme!«, rief er, schon mit dem Anflug einer lockeren Gereiztheit.
Oben angelangt schickte Mutter ihn allerdings gleich wieder mit der Kiste runter. Gerade noch die ebenfalls dort drinnen be?ndlichen Disketten durfte er rausnehmen, dann hieß es aber bezüglich der seltsamen Pflanze:
»Das Dreckding schmeißt du schön weg. Das ist ja schon braun. Und die Erde ist geschimmelt.«
Mutter verdrehte die Augen.
»Du mochtest doch nie was Grünes um dich haben. Wo hast du das denn überhaupt her?«
Keine Ahnung, verdammt.
Und war das jetzt noch wichtig, nachdem es den Flammen der Müllpresse überantwortet werden sollte? Wohl kaum. Es tat ihm nicht mal Leid. Schließlich hasste er Zimmerpflanzen tatsächlich. Er hatte als Kind mal in einem »Was ist Was«-Buch gelesen, dass sie nachts den Sauerstoff aufnahmen. Und ihn Tags drauf etwas frischer wieder abgaben. Seitdem fürchtete er zu ersticken, wenn er neben einer Schnittblume schlief. Ja, in so was steigerte man sich halt schnell mal rein. Das Ding hier, mit dem er – diesmal zügig – das Treppenhaus durchschritt, war geliefert. Egal. Ach, gut so. Das, was ihn an dieser Nummer viel fertiger machte, war, dass Mutter nicht nur Anweisungen gab, sondern mit jenen auch noch Recht zu haben schien. Das konnte ja heiter werden. Er versuchte sich darauf zu besinnen, was er sich auf der Fahrt hierher immer wieder geschworen hatte: Er wollte sich dieses ganze Fiasko schönlügen – aber so was von! Er wollte denken, dass ein Zurück-nach-Hause-ziehen-Müssen-mit-30 auch sein Gutes hatte. Und diese Pflanze würde bestimmt nicht der einzige Punkt bleiben, an dem es bei dieser reuigen Reunion knirschte. Klar verunsicherte es ihn, dass er sich so schnell gezwungen sah, diese innere Emigration heraufzubeschwören. Aber er war doch vorbereitet. Ruhe bewahren. Er stieß den Deckel des Müllcontainers neben den Garagen so auf, dass dessen Maul weit offen stand, ging drei Schritte zurück und warf die Pflanze samt Topf hinein, als würde er einen Korb beim Basketball machen. Drei Punkte, mindestens. Na also, es ging doch. Er hatte wieder die Oberhand.

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