Endlich natürlich Leseprobe

Broschur, mit s/w-Illustrationen
176 Seiten
1. Aufl. 2010
12,90 €(D)
ISBN 9783931555542

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Endlich natürlich
Roman
Linus Volkmann

»Hier sind Stühle, wenn ihr euch setzen wollt – und nun geht bitte.«

Wilhelm Bitter ist kein Freund von Geselligkeit, allerdings auch kein ernstzunehmender Gegner für sie. Sein Job als Caterer verbindet ihn wieder und wieder mit dem Unding Welt. Dabei husten, schnarren, klappern, lachen, atmen ihm all die Anderen zu laut und zu viel.

Und als wäre das nicht schon genug, ziehen die Umstände weiter an: Eine freundliche Stalkerin schmiert Mett in seine Fußmatte, »der Finne« wohnt überraschend mit einem Kleintier im Gepäck auf der Couch, Vater stellt seine jugendliche Geliebte vor und Wilhelm selbst verliebt sich in eine Legende – mindestens doppelt so alt wie er. Ist denn nie Ruhe?

»Linus Volkmann ist ein Indierock-­Thomas-Bernhard. Nur in lustig. Und er wiederholt sich nicht so oft. Linus Volkmann ist das freundliche Gesicht der Menschenfeindlichkeit. Man muss sich mit ihm auseinander­gesetzt haben, bevor man behaupten darf, heutzutage überhaupt klarzu­kommen.«
(Bernd Begemann)

Leseprobe

Was es geben müsste, ist eine Gästeliste für den Zug.
»Schauen Sie noch mal nach, Herr Schaffner, ich muss drauf stehen. Wirklich! Plus Eins!«
Und ganz wie bei einem kahlrasierten Türsteher hätte man es auch bei dem eher fettigen Schaffner nicht leicht – wobei Letzterer ja ohnehin nicht mehr als Schaffner sondern nur noch als Zugbegleiter zu betiteln ist.
Hätte man es dann aber an der strengen Waggontür vorbeigeschafft, würde einem allerdings das Glück einer ausgesuchten, ja beinahe unbedrängten Zugfahrt zuteil.
Gerade die Schönheit dieser Utopie des samtenen Schienenverkehrs lässt ihre überaus hässliche reale Entsprechung noch unzumutbarer wirken. Dieser überfüllte, röchelnde, drückende, stinkende, kalte, heiße Käfigtiertrip zur besten Reisezeit, ohne Klimaanlage oder Heizung, ein Zugteil gespart, zwei Toiletten defekt, Kegelvereinfrauen, Junggesellenabschiede, Kinder, Rentner, Menschen überhaupt …
Schon klar, Ruhe bewahren und ähnlicher Kram. Aber im Ernst, was soll man denn machen?
Es nicht mehr als Affront betrachten, wenn sich im Zug jemand genau vor einen setzt, obwohl ringsum doch noch andere Möglichkeiten wären? Nicht unruhig werden, wenn dieses Ärgernis minutenlang seine lästige, lächerliche Habe verstaut, kontrolliert wie ein desorientiertes Tier bei Erdbeben? Und wie es dann raschelnd eine Zeitung aufnimmt, sich immer wieder gegen den Sitz fallen lässt, hörbar atmet, natürlich ein Taschentuch hervornestelt und sich schnäuzt – früher gingen die Menschen bei Erkältungen ins Bett, mittlerweile nur noch in Zug oder Kino!
Oops, kann man solche Wellen von gestresster Empörung als Lebensgefühl überhaupt jemand anderem anbieten?
Ach, wir kennen uns nun ja schon ein bisschen. Da müssen Sie jetzt durch.

Zuckerbabys
Happy Endstadium
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For the Sake of the Song